Technik erklärt

SPS programmieren lernen — strukturierter Einstieg für Anfänger

Wie man SPS-Programme sinnvoll aufbaut, welche Denkweise dahinter steckt und welche Fehler man früh vermeiden sollte.

Viele starten mit SPS-Programmierung falsch: Sie suchen sofort nach „Beispielcode“, klicken sich durch Menüs — und wundern sich, warum das Verhalten der Anlage trotzdem nicht verständlich wird.

SPS-Programmierung ist weniger „Coding“ im Web-Sinn, sondern eher systematisches Denken in Zuständen, Signalen und sicheren Abläufen. Wenn Sie diese Denkweise einmal verstanden haben, werden KOP/FUP/ST nur noch „Schreibweisen“ für dieselbe Logik.


1) Was bedeutet „SPS programmieren“ eigentlich?

Eine SPS (speicherprogrammierbare Steuerung) liest in kurzen Zyklen Eingänge ein, führt Logik aus und setzt Ausgänge. Ziel ist nicht „schöner Code“, sondern:

Wenn Sie SPS programmieren lernen, lernen Sie daher vor allem:

Grundlage dazu: Was ist eine SPS (PLC)?


2) Welche SPS-Sprachen gibt es — und welche ist „am besten“?

In der Praxis begegnen Ihnen häufig diese Darstellungsformen (IEC 61131-3):

Wichtig: Die „beste“ Sprache ist die, mit der Ihr Team Fehler findet und Änderungen sicher macht. Viele Anlagen nutzen gemischte Projekte (z. B. KOP für Grundlogik, ST für Berechnungen).


3) Wie „denkt“ eine SPS? Zyklus, Scan, Zustände

Das Kernprinzip ist der SPS-Zyklus (vereinfacht):

  1. Eingänge lesen (Signalbild)
  2. Programm abarbeiten (Logik)
  3. Ausgänge schreiben (Ausgangsbild)
  4. Wiederholen (typisch: Millisekunden bis wenige Zehntelsekunden)

Viele Anfängerfehler entstehen, weil man unbewusst „event-basiert“ denkt (wie in Apps), SPS aber zyklisch arbeitet.

Praktisch heißt das:


4) Der wichtigste Denkrahmen: Signal → Logik → Wirkung

Wenn Sie SPS programmieren lernen, trainieren Sie am besten dieses Modell:

Das hilft nicht nur beim Programmieren, sondern auch bei der Fehlersuche.

Vertiefung: Störungsdiagnose — Denkmodell · Sensoren und Aktoren


5) Typischer Programmaufbau (robust & wartbar)

Ein gutes SPS-Projekt ist nicht „eine große Logik“. Es ist strukturiert. Ein praxisnahes Muster:

5.1 Signale aufbereiten

5.2 Freigaben & Verriegelungen

Viele Ausgänge hängen nicht an „einem Taster“, sondern an einem Bündel von Bedingungen:

5.3 Zustandsmaschine / Sequenz

Wenn Abläufe mehrere Schritte haben (Starten, Spülen, Füllen, Heizen, …), arbeiten Sie mit Zuständen:

Das ist deutlich wartbarer als „verstreute ifs“.

5.4 Aktoren ansteuern

Ausgänge setzen Sie idealerweise am Ende klar und nachvollziehbar. So lässt sich später prüfen: „Welche Logik führt zu Output Q?“


6) Häufige Anfängerfehler (und wie man sie vermeidet)

Fehler 1: „Taster = Motor“ (ohne Speicher)

Ein Momenttaster ist nur kurz aktiv. Wenn Sie den Motor „halten“ wollen, brauchen Sie eine Selbsthaltung (Latch) oder einen Zustand.

Fehler 2: Verriegelungen fehlen

Ohne Verriegelungen starten Motoren bei falschen Voraussetzungen. Das führt zu Störungen, mechanischem Stress oder Sicherheitsproblemen.

Fehler 3: Keine Diagnose-Bits

Wenn eine Anlage nicht startet, ist die wichtigste Frage: Welche Bedingung fehlt? Gute Programme erzeugen Diagnose-Flags („Freigabe fehlt wegen X“).

Fehler 4: Logik ist verteilt

Wenn dieselbe Bedingung an fünf Stellen geprüft wird, entstehen Inkonsistenzen. Besser: zentrale Freigabe-Bits bilden und überall verwenden.

Fehler 5: IT/OT wird ignoriert

Wenn HMI/SCADA, Netzwerke und Benutzerrechte nicht mitgedacht werden, entstehen später schwer erklärbare Effekte (z. B. falsche Bedienzustände, „Ghost“-Signale).

Lesen: IT vs. OT · SCADA und HMI · Industrielle Netzwerke


7) Mini-Beispiel (Start/Stop als Denkübung)

Das Ziel ist nicht „Code“, sondern Logikverständnis. Stellen Sie sich vor:

Konzeptuell bedeutet das:

Das ist SPS-Programmierung in Reinform: Zustände definieren, sichere Default-Werte, klare Verriegelung.


8) Lernstrategie: So werden Sie schnell besser

Wenn Sie SPS programmieren lernen möchten, funktioniert das am zuverlässigsten in drei Stufen:

Stufe A — Grundlagen

Stufe B — Systeme verstehen

Stufe C — Diagnose & Wartbarkeit


Kurzfazit

SPS-Programmierung ist am Anfang ungewohnt, weil sie zyklisch und zustandsorientiert ist. Wenn Sie jedoch:

… dann werden SPS-Programme schnell logisch und beherrschbar.


Passend dazu: Was ist eine SPS? · SCADA und HMI · Industrielle Netzwerke · IT vs. OT · Störungsdiagnose