Technik erklärt

Was ist eine SPS (PLC)?

Grundlagen der speicherprogrammierbaren Steuerung — klar erklärt, ohne unnötige Formeln.

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Kurzdefinition

Eine SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung) — international meist PLC (Programmable Logic Controller) genannt — ist ein industrieller Spezialcomputer zur Steuerung von Maschinen und Anlagen. Sie liest Eingangssignale (z. B. von Sensoren), verarbeitet sie nach einem Programm und schaltet daraufhin Ausgänge (z. B. Motoren, Ventile, Relais oder Frequenzumrichter).

In einem Satz: Sensor → Logik → Aktion.

Warum wurde die SPS entwickelt?

Bevor SPS-Systeme zum Standard wurden, basierten viele industrielle Steuerungen auf Relaislogik: Schütze, Zeitrelais, Hilfsrelais und verdrahtete Signalwege bestimmten, wann welche Funktion ausgeführt wird. Das funktionierte — war aber teuer, schwer zu warten und bei Änderungen extrem unflexibel.

Typische Probleme der klassischen Relaissteuerung:

Die SPS löste das Kernproblem, indem sie Logik von der Verdrahtung in ein Programm verlegte. Statt Kabel umzustecken, wird das Programm angepasst — und die Hardware bleibt weitgehend gleich. Das war ein großer Schritt in Richtung moderner Automatisierung.

Grundaufbau einer SPS

SPS-Systeme sind modular aufgebaut. Typisch sind diese Bausteine:

1) CPU (Zentraleinheit)

Die CPU ist das „Gehirn“ der SPS. Sie führt das Steuerungsprogramm aus, verwaltet Speicherbereiche, verarbeitet Kommunikationsdaten und koordiniert Ein- und Ausgänge. Je nach System kann die CPU klein (für einzelne Maschinen) oder sehr leistungsfähig (für große Anlagen) sein.

2) Eingabemodule (Inputs)

Eingabemodule verbinden die SPS mit der realen Welt. Hier werden Signale angeschlossen wie: Taster, Endschalter, Lichtschranken, Temperatur- oder Drucksensoren. Man unterscheidet:

3) Ausgabemodule (Outputs)

Ausgänge schalten oder regeln Aktoren: Motoren, Ventile, Lampen, Relais, Schütze oder Frequenzumrichter. Auch hier gibt es digitale und analoge Varianten:

4) Spannungsversorgung

In der Industrie ist 24 V DC ein sehr verbreiteter Standard für Steuerungstechnik. Die Spannungsversorgung ist nicht nur „Strom“, sondern auch ein Stabilitätsfaktor: saubere Versorgung, Schutz gegen Überspannungen und korrektes Erdungs-/Schirmungskonzept sind wichtig.

5) Kommunikation & Schnittstellen

Moderne SPS-Systeme sind selten isoliert. Sie sind Teil eines Netzwerks und kommunizieren mit: Bediengeräten (HMI), Leitsystemen (SCADA), anderen Steuerungen, Antrieben und Messsystemen. Häufige Technologien sind Industrial Ethernet (z. B. Profinet, EtherNet/IP) und Feldbus-Systeme.

Wie arbeitet eine SPS? Der Zyklus (Scan)

Viele SPS arbeiten in einem wiederkehrenden Ablauf, dem Zyklus (auch „Scan“ genannt). Ein vereinfachtes Modell:

  1. Eingänge einlesen: Die SPS erfasst den aktuellen Zustand der Eingänge.
  2. Programm ausführen: Logik, Timer, Zähler und Berechnungen werden verarbeitet.
  3. Ausgänge aktualisieren: Die SPS setzt die Ausgänge entsprechend der Programmlogik.
  4. Wiederholen: Der Ablauf beginnt von vorn.

Ein Zyklus dauert oft nur wenige Millisekunden. Das ist schnell genug, um viele Prozesse zuverlässig zu steuern — aber es erklärt auch typische Effekte: Eine SPS reagiert nicht „magisch sofort“, sondern im Rahmen ihres Zyklus. In der Praxis wird der Zyklus überwacht; bei zu langen Zeiten können Warnungen oder definierte Zustände ausgelöst werden.

Was wird in einer SPS programmiert?

Ein SPS-Programm beschreibt Bedingungen und Abläufe: Was muss erfüllt sein, damit etwas startet? Was muss passieren, damit etwas stoppt? Welche Reihenfolge haben Prozessschritte? Wie werden Störungen behandelt?

Ein sehr einfaches Beispiel (konzeptuell):

In realen Anlagen kommen viele weitere Aspekte hinzu: Verriegelungen, Zeitbedingungen, Diagnose, Hand-/Automatik-Modi, Rezeptdaten, Kommunikation mit anderen Systemen und Sicherheitsfunktionen.

Programmiersprachen (IEC 61131-3)

SPS-Systeme werden häufig nach IEC 61131-3 programmiert. Gängige Darstellungen/Sprachen sind:

Welche Sprache genutzt wird, hängt vom Hersteller, der Aufgabe und der Teamroutine ab. Wichtig ist weniger die „Lieblingssprache“, sondern dass Logik, Sicherheit und Diagnose sauber strukturiert sind.

Wo werden SPS-Systeme eingesetzt?

SPS finden sich überall dort, wo Prozesse automatisiert werden müssen — zuverlässig und dauerhaft:

In vielen Bereichen ist die SPS ein Standardbaustein — nicht, weil sie „modern“ klingt, sondern weil sie für industrielle Anforderungen gebaut ist.

SPS vs. normaler Computer

Eine SPS ist kein Büro-PC. Sie ist für eine andere Welt gebaut:

Ein PC kann Steuerungsaufgaben übernehmen (Industrie-PC, Soft-PLC), aber die Anforderungen und das Betriebsmodell unterscheiden sich. In vielen Szenarien sind SPS/PLC-Lösungen weiterhin die robuste Standardwahl.

SPS vs. Mikrocontroller

Mikrocontroller (z. B. Arduino/ESP) sind großartig für Lern- und Prototyping-Projekte. In der Industrie spielen jedoch zusätzlich andere Faktoren eine Rolle: Normen, Dokumentation, Ersatzteilkonzepte, EMV-Störfestigkeit, Zertifizierungen, Wartung und Haftungsfragen.

Deshalb gilt oft:

Die SPS im Gesamtsystem (IT/OT-Kontext)

In modernen Umgebungen ist die SPS Teil eines größeren Systems:

Besonders wichtig ist die Schnittstelle zwischen OT (Operational Technology) und IT. Viele moderne Projekte drehen sich darum, Daten aus Anlagen sicher und sinnvoll zu nutzen — ohne die Stabilität und Sicherheit der Produktion zu gefährden.

Safety vs. Security (kurz und wichtig)

Zwei Begriffe werden oft vermischt:

Safety ist in vielen Umgebungen normativ geregelt und kann spezielle Hardware/Architektur erfordern (z. B. Sicherheits-SPS). Security wird in vernetzten Anlagen zunehmend genauso wichtig — muss aber so umgesetzt werden, dass Betrieb und Verfügbarkeit nicht leiden.

Typische Missverständnisse

Fazit

Eine SPS ist eine robuste, industrielle Steuerungseinheit, die dafür entwickelt wurde, Prozesse zuverlässig zu automatisieren. Sie verbindet die reale Welt (Sensoren/Aktoren) mit klarer Logik und wiederholbaren Abläufen. Wer industrielle Automatisierung verstehen will, beginnt sinnvollerweise bei der SPS.


Glossar (Begriffe, die hier häufig vorkommen)

SPS / PLC

Steuerungseinheit, die Ein- und Ausgänge verarbeitet und Logik zyklisch ausführt.

CPU

Zentraleinheit der SPS, führt das Programm aus und verwaltet Speicher und Kommunikation.

HMI

Bedienoberfläche für Menschen (Anzeige, Tasten, Status, Meldungen).

SCADA

Überwachung/Leitsystem für Anlagen (Visualisierung, Alarme, Trends, Historie).

IT / OT

IT: klassische Unternehmens-IT; OT: Betriebs-/Anlagen-Technik (Steuerung/Produktion).

Feldbus / Industrial Ethernet

Industrielle Kommunikationssysteme für Steuerungen, Geräte und Sensorik.


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