Technik erklärt

SCADA und HMI

Überblick über Überwachung, Visualisierung und Bedienung industrieller Anlagen — klar erklärt.

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Kurzdefinition

In der industriellen Automatisierung ist die SPS (PLC) das „Herz“ der Steuerung — aber Menschen müssen Anlagen bedienen, überwachen und Störungen verstehen. Dafür gibt es typischerweise HMI und SCADA.

Merksatz: HMI = Bedienoberfläche, SCADA = Überwachungs- und Datensystem. In der Praxis verschwimmen die Grenzen manchmal, aber die Rollen sind hilfreich, um Architektur sauber zu denken.

Warum braucht man HMI/SCADA?

Eine Anlage kann „technisch“ funktionieren, ohne dass jemand versteht, was passiert. Im Betrieb ist das unbrauchbar. HMI/SCADA sorgen dafür, dass Menschen:

HMI: Typische Aufgaben

Ein HMI ist meist nahe an der Maschine: ein Panel am Schaltschrank oder eine Station in der Nähe der Anlage. Typische HMI-Funktionen:

Gute HMIs sind nicht „schön“, sondern klar: wenige Klicks, eindeutige Zustände, sinnvolle Farben, verständliche Texte und stabile Bedienlogik.

SCADA: Typische Aufgaben

SCADA ist meist breiter angelegt: mehrere Maschinen/Anlagenteile, mehrere Stationen, mehr Daten, mehr Historie. Typische SCADA-Funktionen:

Typische Architektur (einfach erklärt)

Ein nützliches Modell ist die Ebenen-Sicht:

Der Datenfluss sieht oft so aus:

Wichtige Unterscheidung: „Steuern“ vs. „Überwachen“

Eine häufige Fehlerquelle in Projekten ist, dass man zu viel Logik „nach oben“ verlagert. Grundregel:

Warum? Weil HMIs/SCADA-Stationen ausfallen können (PC-Probleme, Netzwerk, Updates). Wenn dann die Anlage nicht mehr läuft, weil die Logik „oben“ hängt, ist das ein Betriebsrisiko.

Alarme: Nicht „mehr“, sondern „besser“

Alarmmanagement ist oft der Punkt, an dem SCADA-Projekte gewinnen oder scheitern. In vielen Anlagen gibt es zu viele Alarme, zu wenig Struktur und zu wenig hilfreiche Texte.

Gute Alarmgestaltung:

Ziel: Der Operator soll in Sekunden verstehen, was passiert und was zu tun ist.

Trends & Historie: „Was war los?“

Trends sind oft der schnellste Weg zur Ursachenanalyse: Wenn ein Prozesswert langsam driftet, ein Ventil ständig nachregelt oder ein Sensor „zittert“, sieht man das im Verlauf.

Praktisch wichtig:

Benutzerrechte & Bedienkonzept

Ein sauberes Rechtekonzept verhindert, dass versehentlich kritische Parameter geändert werden. Typische Rollen:

Wichtig ist, dass das System im Alltag praktisch bleibt: Zu strikte Rechte führen zu Workarounds (und die sind dann unsicher).

Typische Fehlerbilder (und warum sie passieren)

SCADA/HMI und IT/OT (kurzer Blick)

SCADA-Systeme sind oft die Brücke zwischen Anlagenwelt (OT) und IT-Systemen. Das bringt Nutzen (Daten, Reporting, Optimierung), aber auch Anforderungen: stabile Netze, saubere Segmentierung, klare Zugriffe und Wartungsprozesse.

Wichtig: Sicherheit (Security) sollte so umgesetzt werden, dass sie nicht die Verfügbarkeit sabotiert. In industriellen Umgebungen ist „läuft zuverlässig“ ein zentraler Wert.

Fazit

HMI macht Anlagen bedienbar und verständlich für Menschen. SCADA erweitert das um übergreifende Überwachung, Alarmmanagement und Datenerfassung. Zusammen bilden sie die Sicht- und Bedienebene einer Anlage — während die SPS den Prozess stabil steuert.

Wer industrielle Systeme verstehen will, sollte nicht nur SPS-Logik kennen, sondern auch wissen, wie Bedienung, Alarme und Historie aufgebaut sind — dort entscheidet sich im Alltag, ob eine Anlage „gut betreibbar“ ist.


Glossar

HMI

Benutzeroberfläche für Bedienung und Anzeige (Panel, Station, Visualisierung).

SCADA

System für übergreifende Überwachung, Datenerfassung, Alarmierung und Historie.

Alarm

Meldung über einen Zustand, der Aufmerksamkeit erfordert (Warnung/Kritisch/Info).

Trend / Historie

Zeitlicher Verlauf von Prozesswerten und Ereignissen zur Analyse und Nachvollziehbarkeit.

Tag / Variable

Benannter Datenpunkt (z. B. Temperatur, Statusbit), der gelesen/geschrieben werden kann.

IT/OT

IT: Unternehmens-IT; OT: Betriebs-/Anlagen-Technik (Steuerung/Produktion).


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