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Kurzdefinition
In einer automatisierten Anlage gibt es zwei grundlegende Rollen: Sensoren erfassen Zustände oder Messwerte aus der realen Welt — Aktoren setzen Befehle um und verändern den Prozess. Dazwischen liegt die Steuerung (z. B. SPS), die entscheidet, was wann passieren soll.
Merksatz: Sensoren liefern Informationen — Aktoren erzeugen Wirkung.
Warum Sensoren/Aktoren die „Realitätsebene“ sind
Viele Diskussionen über Automatisierung drehen sich um SPS-Programme, Netzwerke oder SCADA. Aber im Alltag entstehen die meisten Probleme an der Grenze zur physischen Welt: verschmutzte Sensoren, falsch montierte Schalter, klemmende Ventile, schwankende Messsignale.
Wer Anlagen wirklich verstehen will, muss wissen:
- welche Sensorarten es gibt und wofür sie geeignet sind
- wie Signale zur SPS gelangen (digital/analog)
- wie Aktoren angesteuert werden (Schalten/Regeln)
- wie typische Fehlerbilder aussehen und wie man sie eingrenzt
Digitale vs. analoge Signale (Grundlage)
In der Praxis begegnen Ihnen zwei große Signalwelten:
Digitale Signale (Ein/Aus)
Digitale Signale sind Zustände: 0/1, aus/an, offen/zu. Beispiele: Endschalter betätigt, Not-Aus gedrückt, Lichtschranke frei/unterbrochen.
Analoge Signale (kontinuierlich)
Analoge Signale repräsentieren einen Messwert über einen Bereich: Temperatur, Druck, Durchfluss, Füllstand, Position. Typische Standards in der Industrie sind 0–10 V und 4–20 mA. Diese Signale müssen oft skaliert werden (z. B. 4–20 mA entspricht 0–10 bar).
Typische Sensorarten (verständlich sortiert)
1) Positions- und Endlagensensoren
Sie melden, ob ein Teil eine Position erreicht hat: z. B. Zylinder ausgefahren, Klappe geschlossen, Werkstück angekommen. Häufige Varianten:
- Mechanische Endschalter: robust, aber verschleißbehaftet
- Induktive Näherungsschalter: für Metall, kontaktlos, sehr verbreitet
- Kapazitive Sensoren: auch für nicht-metallische Materialien (je nach Anwendung)
- Magnetische Zylindersensoren: erkennen Kolbenposition am Pneumatikzylinder
2) Lichtschranken und optische Sensoren
Optische Sensoren erkennen Objekte über Licht: Durchgang, Reflexion, Abstand. Typische Anwendungen: Werkstückerkennung, Zählung, Positionierung. Häufige Fehlerquelle: Verschmutzung, falsche Ausrichtung, Umgebungslicht.
3) Temperatur
Temperaturmessung ist zentral in vielen Prozessen. In Anlagen trifft man je nach Bereich unterschiedliche Sensorprinzipien. Wichtig ist weniger der Sensortyp als: Messbereich, Einbauort, Reaktionszeit und Robustheit.
4) Druck
Drucksensoren messen z. B. Hydraulik-/Pneumatikdruck oder Prozessdruck. Druckwerte werden oft als analoge Signale geliefert und in der SPS skaliert.
5) Füllstand und Durchfluss
In Tanks/Leitungen sind Füllstand/Durchfluss wichtige Prozessgrößen. Diese Messungen sind oft anwendungsabhängig: Medium, Temperatur, Verschmutzung, Einbaulage, Genauigkeit.
6) Drehzahl und Position (Antriebe)
Für Motoren und Antriebe sind Drehzahl/Position entscheidend. Je nach System werden Drehgeber/Encoder oder integrierte Antriebsrückmeldungen genutzt. Hier ist die Kombination aus Sensor + Signalverarbeitung + Antriebssystem entscheidend.
Aktoren: Wie Anlagen „handeln“
Aktoren setzen Steuerbefehle in physische Wirkung um. Zwei Kategorien:
1) Schaltende Aktoren (Ein/Aus)
- Relais/Schütze (z. B. Motor ein/aus)
- Magnetventile (z. B. Pneumatikzylinder ein/aus)
- Heizelemente (oft über Relais/SSR geschaltet)
- Signallampen/Sirenen
2) Regelnde Aktoren (stufenlos/analog)
- Frequenzumrichter (Motor-Drehzahlregelung)
- Stellventile (Durchfluss/Position)
- Servoantriebe (Position/Drehmoment)
- Regelheizungen (Leistung moduliert)
Regelnde Aktoren arbeiten oft mit Sollwerten und Rückmeldungen — das führt in Richtung Regelungstechnik, aber das Grundprinzip bleibt: Steuerung gibt Sollwert → Aktor setzt um → Sensor meldet zurück.
Signalweg: Von Sensor bis SPS (und zurück)
Ein vereinfachtes Bild:
- Sensor erzeugt ein Signal (digital/analog)
- Signal geht an Ein-/Ausgangsmodule oder Feldgeräte
- SPS verarbeitet Logik, Zyklus, Bedingungen
- Ausgang steuert Aktor (Schalten/Regeln)
- Aktor verändert den Prozess
- Sensor erfasst die Wirkung (Feedback)
Je nach Anlagenarchitektur kann zwischen Sensor/Aktor und SPS auch ein Netzwerk liegen (Feldbus/Industrial Ethernet).
Typische Fehlerbilder (und wie man sie strukturiert angeht)
Wenn eine Anlage „komisch“ reagiert, sind Sensoren/Aktoren sehr oft beteiligt. Ein nützlicher Ansatz ist: Signal → Logik → Wirkung getrennt prüfen.
Fehlerbild: „Sensor schaltet nicht“
- Montage/Abstand falsch (z. B. Näherungsschalter zu weit weg)
- Verschmutzung (optische Sensoren)
- Kabelbruch/Wackelkontakt
- Spannungsversorgung fehlt (24 V)
- Falscher Sensortyp für Material/Umgebung
Fehlerbild: „Messwert springt“ (analog)
- schlechte Schirmung/Erdung (EMV-Einflüsse)
- Lockere Klemmen
- Falsche Skalierung/Einheit in SPS/SCADA
- Defekter Sensor oder instabile Versorgung
Fehlerbild: „Aktor reagiert nicht“
- Ausgang schaltet, aber Leistungspfad fehlt (Schütz/Relais defekt)
- Ventil klemmt / Mechanik blockiert
- Druckluft/Hydraulik fehlt
- Schutz-/Sicherheitskette unterbrochen
- Falsches Signalformat (analog/digital verwechselt)
Fehlerbild: „Aktor reagiert, aber falsch“
- Verdrahtung vertauscht (z. B. Ventil A/B)
- Falscher Sollwert/Skalierung
- Feedback falsch zugeordnet
- Mechanik/Parametrierung (z. B. Umrichter/Servo) nicht passend
Diagnose: Was wirklich hilft
Gute Diagnose reduziert Stillstand. Praktisch hilfreich sind:
- Signalstatus in HMI/SCADA (zeigt: kommt das Signal an?)
- LEDs an IO-Modulen (zeigt: Eingang/Ausgang aktiv?)
- Messung vor Ort (Spannung/Strom/Signal — je nach Qualifikation und Freigaben)
- Saubere Benennung (Tags, Klemmen, Geräte) und Dokumentation
- Trend/Historie bei analogen Werten (wann begann das Problem?)
Fazit
Sensoren und Aktoren sind die reale Schnittstelle zwischen Prozess und Steuerung. Sie entscheiden im Alltag, ob eine Anlage stabil läuft, ob Diagnose möglich ist und wie schnell Störungen behoben werden können. Wer Automatisierung verstehen will, sollte nicht nur Programme und Netzwerke betrachten, sondern die „Realitätsebene“: Signale, Montage, Medienversorgung und typische Fehlerbilder.
Glossar
Sensor
Erfasst Zustände/Messwerte (z. B. Position, Temperatur, Druck) und liefert ein Signal.
Aktor
Setzt Steuerbefehle in physische Wirkung um (z. B. Motor, Ventil, Antrieb).
Digital
Ein/Aus-Signal (0/1), z. B. Endschalter oder Lichtschranke.
Analog
Kontinuierlicher Messwert, oft 0–10 V oder 4–20 mA, benötigt Skalierung.
Skalierung
Umrechnung eines Signals in eine technische Einheit (z. B. mA → bar).
EMV
Elektromagnetische Verträglichkeit: Störungen durch Umgebung/Leitungen/Schirmung.
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