Technik erklärt

IT vs. OT

Unterschiede, Schnittstellen und typische Missverständnisse — damit Integration funktioniert, ohne den Betrieb zu gefährden.

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Kurzdefinition

In modernen Unternehmen treffen zwei Welten aufeinander: IT (Information Technology) und OT (Operational Technology). Beide nutzen Computer, Netzwerke und Software — aber mit sehr unterschiedlichen Zielen, Prioritäten und Lebenszyklen.

Merksatz: IT verwaltet Information — OT bewegt die reale Welt.

Warum diese Unterscheidung wichtig ist

Viele Probleme entstehen nicht durch „schlechte Technik“, sondern durch falsche Annahmen: IT-Teams erwarten schnelle Updates und Standardisierung; OT-Teams erwarten Stabilität und planbares Verhalten. Wenn beide Seiten ohne gemeinsames Verständnis integrieren, entstehen unnötige Ausfälle, Frust — oder Sicherheitslücken.

Ziel ist deshalb nicht „IT gewinnt“ oder „OT gewinnt“, sondern: gemeinsame Architektur, die Betrieb, Wartung und Schutz zusammenbringt.

Die unterschiedlichen Prioritäten (das ist der Kern)

In der IT ist häufig die Reihenfolge: Vertraulichkeit → Integrität → Verfügbarkeit. In vielen OT-Umgebungen ist es oft umgekehrt: Verfügbarkeit → Integrität → Vertraulichkeit.

IT (typisch)

Fokus auf Daten, Benutzer, Identitäten, Compliance, schnelle Veränderung, Skalierung.

OT (typisch)

Fokus auf stabile Prozesse, sichere Zustände, deterministisches Verhalten, lange Lebenszyklen.

Gemeinsames Ziel

Integration mit klaren Grenzen: Daten nutzen, ohne den Prozess zu destabilisieren.

Lebenszyklen: Monate vs. Jahrzehnte

IT-Systeme werden häufig in kurzen Zyklen aktualisiert: Patchdays, Feature-Releases, Cloud-Updates. OT-Systeme hingegen laufen oft viele Jahre in stabilen Versionen, weil:

Das ist kein „Rückstand“, sondern eine andere Logik: Eine Anlage ist ein physisches System mit echten Risiken und Kosten.

Typische Komponenten in der OT

Wenn wir von OT sprechen, meinen wir häufig Systeme wie:

Wo treffen IT und OT aufeinander? (Schnittstellen)

Die Berührungspunkte sind heute normal — und oft gewünscht: Daten für Qualität, OEE, Energieverbrauch, Predictive Maintenance, Reporting.

Typische Integrationspunkte:

Ein hilfreiches Modell: „Zonen und Übergänge“

Ein robustes OT/IT-Design arbeitet oft mit klaren Zonen:

Der Grundgedanke: Integrationspunkte sind bewusst gestaltet, nicht zufällig entstanden.

Typische Missverständnisse (die wirklich weh tun)

Risiken (ohne Alarmismus)

„Risiko“ heißt hier nicht automatisch „Hackerfilm“. Häufige Risiken sind schlicht Betriebsrisiken: Unklare Zuständigkeiten, ungetestete Änderungen, fehlende Transparenz.

Praktische Risikoklassen:

Wie man IT/OT-Integration „richtig“ angeht

Ein pragmatischer Ansatz, der in vielen Umgebungen funktioniert:

  1. Inventarisieren: Welche Systeme gibt es? Welche Versionen? Welche Verbindungen?
  2. Ziele klären: Welche Daten werden wirklich gebraucht? Wer nutzt sie wofür?
  3. Zonen definieren: OT-Kern, Überwachung, Übergang, IT — mit klaren Regeln.
  4. Änderungsmanagement: Updates nur geplant, getestet, dokumentiert (OT braucht Disziplin).
  5. Zugriffe minimieren: Rollen, Protokollierung, zeitlich begrenzte Zugänge.
  6. Wiederherstellung üben: Backups sind gut — Recovery ist besser.

Fazit

IT und OT nutzen ähnliche Bausteine (Netzwerke, Rechner, Software), verfolgen aber unterschiedliche Prioritäten. Wer diese Unterschiede respektiert, kann Daten sinnvoll nutzen und Systeme modernisieren — ohne den Betrieb zu destabilisieren. Gute Integration ist kein „Tool“, sondern Architektur + Prozesse + klare Verantwortung.


Glossar

IT

Unternehmens-IT: Systeme für Daten, Benutzer, Anwendungen und Geschäftsprozesse.

OT

Betriebstechnik: Systeme, die physische Prozesse steuern und überwachen (Anlagen/Maschinen).

DMZ / Übergangszone

Kontrollierter Bereich für Schnittstellen zwischen OT und IT (Datenexport, Remote-Zugriff).

Determinismus

Vorhersehbares Zeitverhalten in Kommunikation/Steuerung — wichtig für OT-Prozesse.

Änderungsmanagement

Geplante, getestete und dokumentierte Änderungen statt „einfach mal updaten“.

Verfügbarkeit

Betriebsbereitschaft: In OT oft die höchste Priorität, weil Ausfälle reale Kosten erzeugen.


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